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Das Wagnis Hoffnung
Was wird morgen sein? Wir haben vielleicht eine ungefähre Vorstellung von der kommenden Zeit, aber genau wissen wir es nicht. Spätestens wenn es sich um übermorgen, den nächsten Monat oder – um eine Zahl aus der Luft zu greifen – das Jahr 2029 dreht, hört unsere Voraussicht auf.
Und trotzdem leben wir, als hätten wir die Zukunft im Griff. Wir stehen auf, planen, entscheiden, zweifeln vielleicht, aber wir gehen weiter. Nicht, weil wir sicher wären, sondern weil wir hoffen. Hoffnung ist kein naiver Optimismus, sondern eine alltägliche Leistung: das unterschwellige Vertrauen darauf, dass sich das Kommende bewältigen lässt, dass Belastungen vorübergehen und Schmerz nicht das letzte Wort behält.
Der Frühling und die Ostertage sind Symbole und Momente dieser Hoffnung. Sie stehen beispielsweise für schönes Wetter und die Erlösung aus der Passion. Und doch ist es gerade diese Zeit des Neubeginns, in der sich zeigt, wie eng Freude und Trauer beieinanderliegen. Wer einen geliebten Menschen verloren hat, erlebt das Wiedererwachen der Natur oft mit einem Zwiespalt. Während draußen alles neu wird, bleibt im Inneren etwas unabgeschlossen. Erinnerungen drängen sich auf: Spaziergänge, Lachen, vertraute Gesten. Der Frühling tröstet nicht automatisch. Manchmal schmerzt er sogar.
Trauer folgt keinem Zeitplan. Sie ist unberechenbar, widerspenstig, nicht zu beschleunigen. Und doch ist sie kein Mangel, sondern ein Zeichen von Bindung. Wir trauern, weil uns jemand fehlt. In diesem Sinn ist Trauer nicht nur Abschied, sondern Fortsetzung: eine Form der Verbindung über die Abwesenheit hinaus.
Ostern erinnert daran, dass jedes Ende auch einen Anfang bedeuten kann. Dass Hoffnung möglich ist, selbst dort, wo Dunkelheit dominiert. Diese Erwartung verspricht keine Heilung, sondern Veränderung. Zwischen Verlust und Neubeginn entsteht etwas zutiefst Menschliches: die Kraft, den Schritt in die Zukunft zu wagen, ohne zu vergessen. „Hoffnung wagen“ hat der ehemalige US-Präsident Barack Obama eines seiner Bücher betitelt. Tatsächlich könnten wir alle unser Leben unter diesen Titel stellen. Nicht nur im Frühling oder zu Ostern, sondern Tag für Tag. Und dafür dürften wir uns eigentlich ein bisschen selbst auf die Schulter klopfen.
Ihre Familie Töpper
Himmel oder Frühling?
Habt ihr mich hinausgetragen,
in den Wald, den morgenfrischen,
wo die Nachtigallen schlagen
in den Rosenbüschen?
Mutter, hilf mir aus dem Bette!
Auf den Rasen möcht ich springen
wie das Reh, und um die Wette
möcht ich mit der Lerche singen.
Und von Blumen welch Gewimmel!
Ach, so schön war`s nie auf Erden!
Mutter, sag, ist das der Himmel,
oder will es Frühling werden.
(Hermann von Gilm zu Rosenegg)
Ihre Familie Töpper
Schweigen ist der falsche Weg
Es gibt Phasen, in denen wir nicht genau wissen, woran wir gerade sind. Ist nach Karneval schon Frühling oder ist Ostern noch gefühlt Winter? Sind wir wirklich verliebt oder nur ein wenig verknallt? Sind wir satt oder ist nicht doch noch Platz für eine kleine Portion dieses unwiderstehlichen Schokoladeneises? „Schwierig, schwierig“, möchte man meinen – obwohl das am Ende nur die sprichwörtlichen „Luxusprobleme“ sind.
Ungeklärte Situationen können wesentlich tiefergehend sein. Wenn der Haussegen schiefhängt und Familienmitglieder kaum noch oder gar nicht mehr miteinander sprechen, ist der Schritt zur Versöhnung oft schwer. Unter Umständen wird er verzögert, keine Partei möchte den ersten Schritt machen oder alle Seiten fühlen sich missverstanden und schlecht behandelt. Schließlich kommt vielleicht sogar der Moment, an dem es keinen Weg zurück zueinander zu geben scheint.
Aber das Leben wartet nicht. Jede Familie nimmt irgendwann Abschied, vielleicht von Opa, Oma oder einem Elternteil. Wenn Geschwister miteinander Streit haben, können sie – mit etwas Glück – eine Abschiedsfeier zum Anlass der Versöhnung nehmen. Dem verstorbenen Familienmitglied, das sicherlich unter dem Familienzwist gelitten hat, können sie damit aber nicht mehr helfen.
Noch schwerer ist die Situation, wenn ein Abschied bedeutet, dass es keine Gelegenheit mehr geben wird, um einen Streit zu beenden. Dann herrscht beim Blick zurück nicht nur Traurigkeit, sondern gleichzeitig die Gewissheit, eine unwiederbringliche Chance nicht genutzt zu haben.
Festgefahrene Konflikte können schneller als erwartet enden. Lassen Sie es also nicht so weit kommen. Neutrale Unterstützung bieten sogenannte Familienmediatoren. Sie helfen dabei, den Weg zurück in den Dialog zu öffnen. Weitere Informationen gibt es auf der Website des Bundesverbands MEDIATION e.V.: www.bmev.de
Ihre Familie Töpper